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Telemann in Dur
Mai 2006, "Toccata-Alte Musik aktuell" magazine, Germany, Regensburg
http://promusicaantiqua.de/

Vier von fünf Stücken Welt-Ersteinspielungen plus einen Bonus track: Das ist die neue Caro Mitis-CD mit dem Pratum Integrum Orchestra aus Moskau. Und schon wieder kann dieses Ensemble eine "TOCCATA - CD of the month" einheimsen. Das ist für jetzt das zweite Mal, denn bereits im Mai 2005, also vor genau einem Jahr, hatten sie schon einmal diese Auszeichnung - sowie einen der acht TOCCATA-Tipps aus Heft 21.

Zu hören sind diesmal die vier Welt-Ersteinspielungen Orchestersuite B-Dur für zwei Oboen, Fagott, Streicher und b.c. TWV 55:B4", "Concerto grosso G-Dur für Streicher und b.c. TWV 52:G1", Konzert E-Dur für Flöte, Streicher und b.c. TWV 51:E1", Konzert G-Dur für Violine, Streicher und b.c. TWV 51:G4" sowie das Concerto grosso G-Dur für Flöte, Fagott, Streicher und b.c. TWV53:G1" (siehe auch den Titel der CD Telemann in major" - Telemann in Dur) und als Bonus das einzige Moll-Stück, die "Sonata g-moll füi Violinen, zwei Violen, Cello und b.c. TWV 44:33" Georg Philipp Telemanns.

Telemann war ein Schnellkomponierer. In sagenhaft kurzer Zeit flossen die Stücke g eradezu aus ihm heraus. Und er schrieb meist in Dur. Da könntee man den Eindruck von Oberflächlichkeit haben, doch Telemann überlegte sehr wohl, warum und wie er etwas machte. Bei der hier erstmals vorgestellten Orchestersuite, die Telemann gemäß deutschen Tradition als "Ouvertüre" bezeichnete, scheint es sich um eine bunte Mischung, eine Komposition ohne festes Programm, zu handeln. Und doch hat sich der Komponist etwas bei der Satzanordnung und Ausführung gedacht, setzt ne ben die klassische französische Ouvertüre, ein italienisches Stücke, gefolgt vom deutschen "Les Cornes de Visbade", die Hörner aus Wiesbaden.

So machte man das damals in Deutschland, stellte in einer eigenen Art der Plain-Air-Musik heimische Jagdhöner, bäuerliche Sackpfeifen und deren Klänge der Erlesenheit ausländischer Instrumentierung gegenüber. Das ergibt pikantes Raffinement, Exotik, prickelnde, fast erotische Balance zwischen den jeweiligen Effekten. Da ist Telemann ein Meister wie kein Zweiter, damit jongliert er gerne.

Musik des Hochbarock eines der fruchtbarsten Komponisten der Musikgeschichte, am Schnittpunkt der damaligen musikalischen Welt entstanden. Und dazu nun ein blutjunges Orchester aus Russland. Wie soll das angehen? Und WIE das angeht! Oft ist es die Distanz, die den Blick schärft. Vielleicht stecken wir alle zu emotional in der Sache und verlieren damit die Übersicht. Sehen wir doch einfach durch die Augen dieser umwerfend guten Musiker des Pratum Integrum Orchestra und entdecken da einen Telemann, den wir doch so nicht fülich gehalten hätten!

Das ist ein witziger und spritziger Komponist. Dessen ausgefeilte Kompositionen werden mit Nachdenklichkeit, aber ohne Andacht dargeboten. Es wird musiziert, nicht rekonstruiert. Das soll und darf einfach schön sein. Dafür bringen diese Russen aber auch alles in Hülle und Fülle, ja im Übermaß mit: technische Fertigkeit, Einfühlsamkeit, Gespür, Sensibilität und - eine gute Portion Genialität, Frische und Frönlichkeit.

Robert Strobl


Georg Philipp Telemann: Telemann in Major. Pratum Integrum Orchestra. Caro Mitis CM 0032005. VI/2005 Et 2005

 


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